Ergebnis der Erregeruntersuchung

Zur Interpretation sollte immer die Fragestellung im Auge behalten werden.
Die nachgewiesenen Erreger stammen nicht zwingend aus dem Euter, sondern können auch aus dem Zitzenkanal und bei nicht sauberen Proben aus der Umwelt kommen. Dementsprechend müssen alle weiteren Faktoren, wie Zellzahl, klinische Symptome, Vorgeschichte der Kuh und Situation der Herde in die Interpretation der Ergebnisse einbezogen werden. Auf eine hygienisch einwandfreie Probenahme ist zu achten. Stark verschmutzte Proben können einen wichtigen Hinweis auf die Euterhygiene und insbesondere auf die Zitzenreinigung geben.

Die jeweilige Menge eines Erregers in einer Probe wird ausgehend vom Schwellenwert ausgewiesen mit:

  • + für schwachen Befall
  • ++ für mittleren Befall
  • +++ für starken Befall

Bei ansteckenden Erregern wie zum Beispiel Str. agalactiae sollte schon bei einem schwachen Befall reagiert werden, da der nachgewiesene Erreger aus dem Euter und kaum aus der Umwelt stammt.
Bei Umwelterregern ist die Interpretation – vor allem unsteriler Proben – anspruchsvoller. Es müssen zwingend alle weiteren Faktoren einbezogen werden.

Ein geringer Befall mit koagulase-negativen Staphylokokken (KNS) erfordert normalerweise bei gesunden Kühen und niedriger Zellzahl keine sofortigen Maßnahmen. KNS verursachen jedoch zunehmend Probleme in Kuhbeständen.

Die Anwesenheit von C. bovis mit einem schwachen Befall erfordert keinen sofortigen Handlungsbedarf. Es kann jedoch auf ungenügendes Zitzendippen bzw. ungenügende Wirkung des Dippens zurückzuführen sein.

Eine Infektion mit Trueperella pyogenes ist oft eine Sekundärinfektion nach einer schweren Mastitis oder eine Spätkomplikation bei Euter- oder Zitzenverletzungen und geht häufig mit einer Einschmelzung des Euterviertels einher.

Die Behandlungen von Mastitiden sollte immer in Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt erfolgen.

Ansprechpartnerin

Christina Schneider
Tel.: 0491 92809-46
Fax: 0491 92809-28
E-Mail: team@lkv-we.de

Epidemiologie der Erreger

Die Eutergesundheit im Milchviehbestand ist ein dynamisches Geschehen, ein Wechselspiel zwischen gesunden und infizierten Tieren, ihrer Umgebung (Haltung/Hygiene) und der Fütterung (Immunabwehr/Stoffwechsel). Ein Versagen der Therapie ist oftmals in der Epidemiologie der Erreger begründet (s. nachstehende Tabelle). So führt z. B. eine inkonsequente Behandlung oder ein inkonsequentes Management zu einem Neuauftreten der Mastitis.
Unter Berücksichtigung des Herdenleitkeims können Landwirt und Tierarzt ein Sanierungskonzept erstellen, hier sollten unbedingt prophylaktische Maßnahmen eingebunden werden.

Tabelle: Epidemiologie der Erreger (Quelle: Petra Winter, Praktischer Leitfaden Mastitis, 2009

  Erreger Vorkommen Erscheinungsbild Prophylaxe
kuhassoziiert (leben im Euter) Staph. aureus Euter, Haut, Schleimhäute subkl. Mastitis, veränderte Milch, oft Aufflackern der Mastitis Handschuhe, Melkhygiene, Melkroutine, Melkreihenfolge, Zwischendesinfektion, Zitzenkondition
Strept. agalactiae Euter subkl.,chron. katarrhalische Mastitis
Strept. dysgalactiae Euter, Haut Mastitis nach Zitzenverletzung, akute katarrhal. Mastitis
umweltassoziiert (kommen in der Umgebung des Tieres vor) Strept. uberis Haut, Kot, Liegeflächen akute katarrhal. Mastitis Stallhygiene, Einstreu, Stallklima, Euter- und Zitzenreinigung
E. coli Kot, Liegeflächen schwere akute Mastitis
befinden sich auf der Euterhaut KNS Euter, Haut, Schleimhäute subkl. Mastitis Hygiene verbessern, Stärkung der Immunabwehr