Monitoring der Eutergesundheit

 

Im Rahmen des milchQplus-Projektes wurden sechs Kennzahlen entwickelt, die das Monitoring der Eutergesundheit auf Herdenebene unterstützen. Dabei werden sowohl der aktuelle Status als auch Entwicklungen deutlich gemacht. Im Zwischenbericht der Milchleistungsprüfung sind diese neuen Kennzahlen seit Frühjahr 2015 aufgenommen.

Kennzahl Erläuterung
Anteil eutergesunder Tiere Anteil der Tiere mit <= 100.000 Zellen/ml an allen laktierenden Tieren in der aktuellen MLP
Neuinfektionsrate in der Laktation Anteil der Tiere mit > 100.000 Zellen/ml in der aktuellen MLP an allen Tieren mit <= 100.000 Zellen/ml in der vorherigen MLP
Neuinfektionsrate in der Trockenperiode Anteil der Tiere mit > 100.000 Zellen/ml in der ersten MLP nach der Kalbung an allen Tieren mit <= 100.000 Zellen/ml zum Trockenstellen
Heilungsrate in der Trockenperiode Anteil der Tiere mit <= 100.000 Zellen/ml in der ersten MLP nach der Kalbung an allen Tieren mit > 100.000 Zellen/ml zum Trockenstellen
Erstlaktierendenmastitisrate Anteil der Erstlaktierenden mit > 100.000 Zellen/ml in der ersten MLP nach der Kalbung an allen Erstlaktierenden
Anteil chronisch euterkranker Tiere mit schlechten Heilungsaussichten Anteil der Tiere, die jeweils > 700.000 Zellen/ml in den letzten 3 MLP aufweisen, an aktuell laktierenden Tieren

Neben diesen Kennzahlen werden weiterführend Vergleichswerte dargestellt. Diese Vergleichswerte stellen die 25 %-besten Betrieben in Ihrer eigenen Region. Sie helfen zum Einen dabei, den Status der Eutergesundheit der eigenen Milchviehherde besser einschätzen zu können, und zum Anderen machen sie Unterschiede zu den besten Betrieben deutlich und können als Motivator zur Verbesserung der Eutergesundheitssituation auf dem eigenen Betrieb dienen.

Weitere Informationen zum Thema „Gesunde Euter für eine nachhaltige Milchproduktion“ finden Sie unter www.milchQplus.de

Eutergesundheitsprobleme auffinden und verbessern

Um die anhand der Kennzahlen erkannten Problemebereiche in Ihrem Betrieb ausfindig zu machen und zu verbessern, stellt das milchQpus-Projekt weitere hilfreiche Merkblätter zur Verfügung. Dabei wird der Prozess des Melkens, die Euterentzündung an sich, die Behandlung mithilfe von Eutertuben, die Diagnostik von z.B. Zitzenkonditionsstörungen oder auch der Bereich der Tierhaltung genauer betrachtet.

Melken

Der Melkprozess spielt bei der Eutergesundheit eine große Rolle.
Eine Überbelastung der Zitzen, z.B. durch zu langsames Melken oder ein zu hohes Vakuum, fördert die Bildung von Zitzenkonditionsstörungen, welche das Eindringen von Mastitiserregern begünstigen. Auf die Zitzenkonditionsstörungen wird im Punkt Diagnostik ausführlicher eingegangen.
Auch können gerade beim Melken durch die Melkerhände oder durch die Melkgeschirre Erreger von Kuh zu Kuh übertragen werden. Durch hygienische Maßnahmen, wie das Tragen von Melkhandschuhen, die Euterreinigung mit einem Tuch pro Tier, die Benutzung des Vormelkbechers und eine eventuelle Zwischendesinfektion, sowie die Einhaltung der richtigen Melkreihenfolge vermeidet die Erregerübertragung während des Melkens.
Beim automatischen Melkverfahren kann das technische System des Melkroboters genutzt werden, um bestimmte Parameter, wie z.B. die Leitfähigkeit oder die Temperatur der Milch, zur Kontrolle der Eutergesundheit heranzuziehen.

Mastitis

Bei Mastitiden sind es vorallem die chronisch erkrankten Kühe, welche immer wieder Erreger ausscheiden und andere Tiere infizieren. Dafür ist es wichtig die chronisch euterkranken Kühe zu kennen und sich bewusst zu machen, ab wann eine Mastitis unheilbar ist.

Behandlung

Erkrankt eine Kuh an einer akuten Mastitis ist sofort eine Therapie einzuleiten. Dabei werden in der Regel auch intramammäre Medikamente in Form von Eutertuben angewendet. Unhygienische Bedingungen und eine falsche Durchführung verringern nicht nur den Heilungserfolg, sondern bergen auch das Risiko einer Neuinfektion.

Diagnostik

Bei einer Mastitis sind erhöhte Zellzahlen der erkrankten Viertel und oftmals Erreger nachweisbar. Erhöhten Zellzahlen können mithilfe des California-Mastitis-Tests geprüft werden. Zum Nachweis von Erregern muss eine Milchprobe entnommen werden. Für eine hohe Aussagekraft des Ergebnisses ist die richtige und saubere Probennahme der Viertelgemelke entscheidend.
Zitzenkonditionsstörungen erhöhen aufgrund einer gestörten Abwehrfunktion das Risiko für Infektionen. Ist bekannt wie viele Kühe an Zitzenkonditionsstörungen leiden und um welche Störungen es sich handelt, kann der Ursache entgegen gewirkt werden.
Bei einem Verdacht von Infektionen mit Staphylococcus aureus muss bedacht werden, dass der Nachweis und die Bekämpfung dieser Erreger erschwert ist.

Tierhaltung

Die Gestaltung der Liegeboxen und die Tierhaltung im Allgemeinen sind für das Wohlbefinden der Tiere entscheidend. Frischluft, Licht und wenig Stress stärken das Immunsystem der Tiere.
Um Eutererkrankungen durch umweltassoziierte Erreger vorzubeugen kommt es auch auf die Einstreu und die Pflege der Liegeboxen an.