Zur Interpretation sollte immer die Fragestellung im Auge behalten werden. Die nachgewiesenen Erreger stammen nicht zwingend aus dem Euter, sondern können aus dem Zitzenkanal und bei nicht sauberen Proben auch aus der Umwelt kommen. So müssen alle weiteren Faktoren, wie Zellzahl, klinische Symptome, Vorgeschichte der Kuh und Situation der Herde einbezogen werden. In jedem Fall ist auf eine hygienisch einwandfreie Probenahme zu achten. Trotzdem ist bei kontaminierten Proben meist eine Aussage möglich. Oft herrscht ein Erreger als Leitkeim vor und wird im Ergebnisbericht mit der Proportion (> 90%, > 99%) angegeben.

Die jeweilige Menge eines Erregers in einer Probe wird ausgehend vom Schwellenwert mit:
+ für schwachen Befall
++ für mittleren Befall
+++ für starken Befall
ausgewiesen.
Stark verschmutzte Proben können einen wichtigen Hinweis auf die Euterhygiene und insbesondere auf die Zitzenreinigung geben.

Bei ansteckenden Erregern wie zum Beispiel Str. agalactiae sollte schon bei einem schwachen Befall reagiert werden, da der nachgewiesene Erreger aus dem Euter und kaum aus der Umwelt stammt.

Bei Umwelterregern ist die Interpretation vor allem unsteriler Proben anspruchsvoller. Es müssen zwingend alle weiteren Faktoren einbezogen werden. Im Zweifelsfall kann es sich lohnen, mit einer möglichst sterilen Viertelgemelksprobe zu arbeiten.

Ein geringer Befall mit koagulase-negativen Staphylokokken (KNS) erfordert bei gesunden Kühen und niedriger Zellzahl keine sofortigen Maßnahmen. KNS verursachen jedoch zunehmend Probleme in den Kuhbeständen.

Die Anwesenheit von C. bovis mit einem schwachen Befall erfordert keinen sofortigen Handlungsbedarf. Es kann jedoch auf ungenügendes Zitzendippen bzw. ungenügende Wirkung des Dippens zurückzuführen sein.

Eine Infektion mit Trueperella pyogenes ist oft eine Sekundärinfektion nach einer schweren Mastitis oder eine Spätkomplikation bei Euter- oder Zitzenverletzungen und geht häufig mit einer Einschmelzung des Euterviertels einher.

Ansprechpartner

Christina Schmitz
Tel.: 0491 92809-46
Fax: 0491 92809-28
E-Mail: team@lkv-we.de

Wirkung der Antibiotika zum Einsatz in der Mastitistherapie (Literaturübersicht)

Die Behandlung sollte immer in Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt erfolgen.

Unter Berücksichtigung der erkannten Erreger und dem möglichen Nachweis des Beta-Laktamase-Gens für Penicillin-Resistenz bei Staphylokokken kann eine Mastitis-Behandlung nach Wirkung der Antibiotika vorgenommen werden (s. nachstehende Tabelle).

Wirkung der Antibiotika zum Einsatz in der Mastitistherapie (Literaturübersicht), keine Behandlungsempfehlung!

 

 

E.coli Streptokokken Staph. aureus/ KNS

Enzym Beta-Laktamase

nicht vorhanden vorhanden
Penicilline Penicillin 1) ++++ ++++
Cloxa- Oxacillin 1) ++++ ++++ ++++
Ampi- Amoxicillin 1) + ++ ++
Cephalo-sporine   1.Gen. Cefacetril,
Cefalexin
1) + ++++ ++++ +
  3.Gen. Cefoperazon 1) ++ ++ ++ ++
  4.Gen. Cefquinom 1) ++++ ++ ++ ++++
Amino-glycoside Neomycin, Gentamycin,
Kanamycin
1) ++ + ++ ++
Polypeptide Colistin 1) ++
Tetracyclin 2) + ++ ++ ++
Lincosamide Lincomycin 2) + ++ ++ ++
Makrolide Erythromycin,
Tylosin
2) ++++ ++++ ++++
Chinolone Enro- Marbofloxacin 2) + ++++ ++ ++

++++ = sehr gut geeignet          ++ = gut geeignet         + = weniger geeignet                 – = nicht geeignet

1) bakterizid (abtötend)              2) bakteriostatisch (hemmend)

Quellen:

  • GRUNERT et al. (1984) Buiatrik Band 1 Verlag M.&H. Schaper, Hannover
  • WINTER, P. (2009) Praktischer Leitfaden Mastitis. Parey Verlag, Stuttgart
  • WENDT, K. (1998) Handbuch Mastitis. Parey Verlag, Stuttgart
  • BECHER (2005) Dissertation: LC-MS/MS-Methoden zur Rückstandsanalyse von Penicillinen, Cephalosporinen und Aminoglycosid-Antibiotica. Universität Wuppertal
  • Germap 2008. Antibiotika-Resistenz und -Verbrauch. Berlin
  • Clinipharm Cephalosporin www.vetpharm.uzh.ch
  • LÖSCHER et al. (2006) Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren. Parey Verlag, Stuttgart

Die Eutergesundheit im Milchviehbestand ist ein dynamisches Geschehen, ein Wechselspiel zwischen gesunden und infizierten Tieren, ihrer Umgebung (Haltung/Hygiene) und der Fütterung (Immunabwehr/Stoffwechsel). Ein Versagen der Therapie ist oftmals in der Epidemiologie der Erreger begründet (s. nachstehende Tabelle). So führt z. B. eine inkonsequente Behandlung zu einem Neuauftreten der Mastitis. Hier wird oftmals falsch beurteilt und ein erneutes Aufleben als Folge einer falschen Behandlungsempfehlung eingestuft.
Unter Berücksichtigung des Herdenleitkeims können Landwirt und Tierarzt ein Sanierungskonzept erstellen, hier sollten unbedingt prophylaktische Maßnahmen eingebunden werden.

Tabelle: Epidemiologie der Erreger (Quelle: Petra Winter, Praktischer Leitfaden Mastitis, 2009

  Erreger Vorkommen Erscheinungsbild Prophylaxe
kuhassoziiert (leben im Euter) Staph. aureus Euter, Haut, Schleimhäute subkl. Mastitis, veränderte Milch, oft Aufflackern der Mastitis Handschuhe, Melkhygiene, Melkroutine, Melkreihenfolge, Zwischendesinfektion, Zitzenkondition
Strept. agalactiae Euter subkl.,chron. katarrhalische Mastitis
Strept. dysgalactiae Euter, Haut Mastitis nach Zitzenverletzung, akute katarrhal. Mastitis
umweltassoziiert (kommen in der Umgebung des Tieres vor) Strept. uberis Haut, Kot, Liegeflächen akute katarrhal. Mastitis Stallhygiene, Einstreu, Stallklima, Euter- und Zitzenreinigung
E. coli Kot, Liegeflächen schwere akute Mastitis
befinden sich auf der Euterhaut KNS Euter, Haut, Schleimhäute subkl. Mastitis Hygiene verbessern, Stärkung der Immunabwehr